Schmeckt wie Champignon…

Zugegeben, auf den ersten Biss sind sie keine Stars. Wer den Versuch macht, herzhaft in ein Spitz-, Mittel- oder Breitwegerichblatt zu beißen, stellt vermutlich zunächst wenig fest. Außer, dass das Blatt eher fest und je nach Alter und Größe sogar zäh und faserig ist. Erst bei längerem Kauen entwickelt der Spitzwegerich – die beiden anderen sind im Geschmack sehr ähnlich – seinen nussig, pilzigen Geschmack. Daher empfiehlt es sich, von April bis September die zarten jungen Blätter aus dem Inneren der Rosette zu ernte. Sie eignen sich prima als Beigabe für Salate, Eierspeisen, Brotbelag oder auch in Smoothies. Die größeren Blätter haben ein intensiveres Aroma, sollten aber umso feiner geschnitten werden, am besten quer zur Faser. Spitzwegerich schmeckt auch in Suppen oder Gemüsegerichten sehr gut, durch Erhitzen verstärkt sich sein Pilz-Aroma und auch die Schleimstoffe kommen stärker zum Vorschein. Sie beeinflussen die Konsistenz der Gerichte, binden zum Beispiel Suppen leicht. Ich mag ihn mittlerweile lieber als einzelne Wildzutat gemischt mit Kulturgemüse, da Geschmack und Konsistenz entweder untergehen oder dominieren.

Die Blüten des Spitzwegerichs erinnern im Geschmack ebenfalls an Champignons, zart und fein sind sie vor der Blüte. Ich streue sie über Suppen, mische sie in Salate oder dünste sie wie italienische Antipasti mit Olivenöl und Zitronensaft. Sind die Samen reif, schmecken sie zunehmend nussiger und enthalten wertvolle ungesättigte Fettsäuren. Sie lassen sich pur knabbern und erinnern auch in Hinsicht auf ihre verdauungsunterstützenden Qualitäten ein wenig an Leinsamen. Eine Mischung aus Blättern und den reifen Ähren mit Öl püriert ergibt ein tolles Pesto, das ohne Nusszugabe auskommt.

Hier noch zwei Spitzwegerich-Rezepte, die wunderbar schmecken, schnell gemacht sind und obendrein noch Schönheit und Gesundheit fördern können.

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Spitzwegerich-Suppe

„Falsche Champignon Suppe“ (Spitzwegerich-Kartoffelsuppe) Einen guten Handstrauß Spitzwegerichblätter sammeln, waschen, quer zur den Blattadern sehr fein schneiden. 400g geschälte und gewürfelte Kartoffeln mit einer Stange Lauch (geputzt und fein geschnitten) in Olivenöl glasig dünsten. Mit 1,5 Litern Gemüse-Fond oder -Brühe aufgießen, ca. 20 Minuten zugedeckt weichköcheln. Dreiviertel des Spitzwegerich dazugeben, fein pürieren. Mit Salz und Cayennepfeffer gut würzig abschmecken. Ca. 200 ml Sahne steifschlagen, darunterziehen, mit restlichen Spitzwegerich-Streifen servieren. Ergibt eine Vorspeise für ca. 10 und ein Hauptgericht für etwa 6 Personen.

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Spitzwegerich-Fenchel-Salat – hier dekoriert mit Schnittlauchblüten

Knackiger Spitzwegerich-Fenchel-Salat für Vier
Zwei Fenchelknollen waschen, putzen, feines Grün beiseitelegen den Rest in sehr feine Ringe schneiden. In einer Salatschüssel mit der Hand gut durchkneten. Einen dicken Handsträuße Spitzwegerich und eine Tasse voll Blüten sammeln. Die Blätter waschen, trockenschleudern und in feine Streifen schneiden. Die Blüten zusammen mit einer Hand voll Kürbiskernen und etwas Salz in einer Pfanne ohne Fett leicht anrösten. Für das Dressing: Eine Schalotte fein hacken, mit 5 EL Himbeeressig und etwas Honig in einem Schraubglas verrühren. 3 EL Kürbiskern- und 5 EL Sonnenblumenöl zugeben, Deckel fest schließen, gut schütteln, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Dressing und Fenchel gut mischen, eventuell etwas ziehen lassen. Dann den Spitzwegerisch untermischen, geröstete Blüten und Kerne darüber streuen und servieren. Wer mag, dekoriert den Salat mit essbaren Blüten – ich finde, bitter-frische Gänseblümchen besonders fein dazu.

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