Essen aus Wald und Wiese? Super Food!

Die kleinen Kügelchen sind vollgepackt mit Vitaminen. C A, E und mehr. Reichlich Mineralstoffe – Eisen, Magnesium, Kalium & Co. Dazu hochwertige, rein pflanzliche Fettsäuren, eine Menge Anti-Oxidantien (Achtung: Anti-Aging!) und extra viel Kieselsäure, für Haut und Haar. Garantiert vegan liefern sie so die perfekte Nährstoffkombi für Gesundheit, Fitness und Schönheit. Dazu der Geschmack: leicht nussig – schmeckt ebenso gut auf dem morgendlichen Müsli, wie auch leicht angeröstet über Salat oder auf einer Suppe. Ein echtes „Superfood“ also … diese Brennnesselsamen.

Brennnesselsamen? Damit bringen wir „Superfood“ doch nur selten in Verbindung. Der Trendbegriff steht meist für Nahrungs- oder Nahrungsergänzungsmittel, die sich durch eine besonders hohe Nährstoffdichte und -kombination auszeichnen. Häufig sind sie im Bio-Markt käuflich zu erwerben und ebenso häufig haben sie einen relativ hohen Preis. Sehr bekannt sind Chia-Samen, Goji- oder Acai-Beeren. Laut Werbung und Fitness-Zeitschrift ergänze ich mit diesen die einfach die tägliche Nahrung und bekomme mit einem Schwung alles was man – bzw. meistens frau – sich wünscht: Schöne Haut, schöne Haare und Fingernägel, die optimale Verdauung. Außerdem ein stabiles Immunsystem, Krebsvorsorge für die Zellen inklusive. Nicht zu vergessen: Ewige Jugend durch Anti-Aging-Wirkstoffe. Wenn dann noch Omega3Fettsäuren drin sind, macht das Superfood sogar schlau. Und steht Detox auf der Packung, vielleicht auch noch schlank. Vielleicht.

Superfood nicht nur aus dem Supermarkt
Vorweg sei gesagt: Verteufeln möchte ich all das nicht. Wir haben heute in Europa das große Glück, auch Ananas oder Mango essen zu können, und nicht das halbe Jahr auf vitaminreiche Nahrung verzichten zu müssen. Wir können uns mit allem versorgen, was unser Körper braucht, um gesund zu bleiben. Deshalb ist es auch nicht verwerflich, mal ein sogenanntes „Superfood“ zu erstehen. Wenn der Himmel gefühlt seit Wochen grau ist, die Erkältung nicht weggeht und das Spiegelbild eine Person zeigt, die man viel strahlender und gesünder in Erinnerung hat… Aber: Muss es denn immer maschinell geerntete, verpackte und über tausende von Kilometern transportierte Ware sein, die auch noch relativ teuer ist?

Meine Meinung: Nein. Denn im Garten, am Wald- und Wiesenrand und manchmal sogar auf dem Balkon wachsen viele Pflanzen und Pflänzchen, die – zur richtigen Zeit und im richtigen Maß genossen – all die oben genannten Wunsch-Effekte hervorrufen können. (Naja, für ewige Jugend quasi über Nacht steht meines Wissens nur der Frauenmantel parat – aber das ist eine andere Geschichte.) Das gilt vor allem jetzt, im beginnenden Frühjahr, wenn die Pflanzen voller Kraft stecken. Genau genommen werden wir aber fast das ganze Jahr über in der Natur fündig.

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Blattgrün – Chlorophyll – ist in der Brennnessel reichlich zu finden.

Darf’s ein bisschen mehr sein?
Natürlich sind nicht alle essbaren Wildpflanzen in gleichem Maße „Superfood“. Aber viele von ihnen enthalten ein enormes Paket an Nährstoffen. Denn das brauchen Wildkräuter – umgangssprachlich gern Unkraut genannt –, um aus eigener Kraft und ohne menschlichen Schutz zu wachsen und sich zu vermehren. Sie enthalten im Durchschnitt mehr Eiweiß, Kohlehydrate und auch Fette, mehr Mineralstoffe und Vitamine, und gleichzeitig weniger Wasser als Zucht-Gemüse. In ihren Blättern steckt außerdem reichlich Chlorophyll. Auch als „Blattgrün“ bekannt, ist das der Stoff mit dessen Hilfe die Pflanze Photosynthese betreibt. Über die Nahrung im menschlichen Körper angekommen, stärkt Chlorophyll das Immunsystem und schützt die Zellen vor Angriffen freier Radikale (d.h. ungebundener Sauerstoffatome), kann sie dadurch gesund erhalten und der Entartung entgegenwirken.

Von Fraß- bis Zellschutz
Alle Pflanzen enthalten neben Chlorophyll auch spezielle Inhaltsstoffe, die nur in Pflanzen zu finden sind und ihr Überleben sichern. Sie werden meist als „sekundäre Inhaltsstoffe“ bezeichnet. In Wildpflanzen sind sie – aus dem oben genannten Grund – noch mehr davon vorhanden als in gezüchteten Pflanzen. Völlig unterschiedlich geartet dienen diese Stoffe vom Fraß- oder Frostschutz bis zum Insekten-Lockmittel. Essen wir pflanzliche Nahrung, können die Inhaltsstoffe auch bei uns wirken. Der Effekt ist allerdings ein anderer als in der Pflanze: Bitterstoffe zum Beispiel bringen beim Menschen alle Körpersäfte in Bewegung – sie fördern die Verdauung, regen die Durchblutung an, reinigen innerlich und regulieren den Appetit. Ätherische Öle geben einem Gericht Duft und Geschmack, wirken aber auch immunstärkend und anti-bakteriell. Und Flavonoide, die Blüten, Blättern und Beeren eine lila Färbung geben und den Pflanzen unter anderem als Frostschutz dienen, schützen beim Menschen die Zellen vor frühzeitiger Alterung. Und all diese Vorteile können wir uns ganz einfach an-essen. Ist das nicht super?

Saisonal, regional und vieles mehr
Doch gesund ist nur ein Aspekt, warum essbare Wildpflanzen den Namen „Superfood“ verdient haben. Weitere Schlagworte sind:

#Outdoor Echte Wildkräuter wachsen NUR draußen (manchmal sogar auf dem Balkon). Ich bekomme also a) frische Luft und b) Bewegung. Die Vorteile beider für unsere körperliche Fitness sind hinlänglich bekannt.

#Regional Ob es der eigene Garten ist oder die Wildwiese in der Nachbarschaft – ich weiß, wo mein Superfood herkommt. Und der Transportweg (und damit die CO² Bilanz)  entspricht meinem Weg zwischen Küche und Sammelort. Und dem genutzen Verkehrsmittel. Nicht mehr.

#Saisonal In freier Wildbahn wachsen die Pflanzen genau dann, wenn es ihre Zeit ist. Im Frühjahr haben junge Blätter und Triebe die meisten Inhaltstoffe, im Herbst sind es Samen und Früchte.

#Zerowaste Keine Verpackung, kein Abfall. Und am besten ernte ich nur so viel, wie ich tatsächlich brauche und lasse den Rest stehen. Dann kommt wirklich gar nix in den Müll.

Mir würden noch viele Trendbegriffe zu essbaren Wildpflanzen einfallen. ‚#Slowfood, #Soulfood, Minimalism… Doch an dieser Stelle nur noch eine Anmerkung: Eine Handvoll Wildkräuter pro Nase pro Tag reicht völlig aus. Mehr mag unser zivilisiertes Verdauungssystem meist gar nicht so gerne. Ein „Zuviel“ an Powerstoffen belastet den Körper – das gilt im Übrigen auch für Supermarkt-Superfoods.

Welche Pflanzen jetzt im Frühjahr das richtige Superfood sind? Hier geht’s zur Fotostrecke.

6 Gedanken zu “Essen aus Wald und Wiese? Super Food!

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